Der Preis einer CD
291 views
Wir schimpfen, wir meckern, wir maulen über die Musikindustrie. Stellenweise zurecht, manchmal etwas polemisch, oft genug auch einfach nur, weil uns grad so ist. Ich persönlich motz aber auch gern mal gegen Verbraucher, denen es scheissegal ist, wenn sie in ihrem Boykott auch mal die “Falschen” treffen. Seis drum, es wird sich oft genug über die hohen CD-Preise beschwert (sehr oft zurecht) und deswegen hier mal eine Beispielrechnung, wer was von einer verkauften CD eigentlich bekommt.
HAP Album CD (Normalpreis 12,80 €)
Erklärung: Dies ist der sogenannte Händlerabgabepreis während der “normalen” Verkaufsphase (also keine Promo oder Sonderangebote). Daraus errechnet sich ein CD Ladenpreis von 17,00 Euro.
- Abzgl MWST EUR 2,35 (na wer bekommt die wohl?)
- HAP netto EUR 11,04 (ca. 30% Marge Handel)
Das ist nur eine Beispielrechnung, man kann heutzutage schon von geringeren Margen ausgehen.
- Abzgl Vertriebsmarge EUR 2,20 (ca. 20%)
Ja klar, irgendwie muss das ja auch in die Läden und dafür gibts Vertriebe, sozusagen die Großhändler in der Musikindustrie.
- Abzgl CD-Kosten + GEMA EUR 2,00
- Abzgl Promotion/Marketing EUR 2,00
Ja, ohne Promotion geht halt wenig bis fast nichts und die ist auch enorm teuer.
Verbleiben EUR 4,84
Dieser “Gewinn” ist die Grundlage für die Lizenzbeteiligung von Künstlern und kann zwischen 5% - 20% (in den allerseltensten Fällen auch höher) betragen - das heisst: Künstler erhält zwischen 0,24 € - 0,96 € pro verkauften Tonträger…
Und jetzt kann jeder selbst überlegen, an welcher Stelle man sparen kann ;)
Ähnlichkeiten mit anderen Artikeln sind rein zufällig:


7 Comments, Comment or Ping
Greg
Gut, das klingt jetzt zwar so, als würden die Künstler an der Armutsgrenze leben, aber an Konzerten und Merch-Müll verdienen die ja auch noch. Grundsätzlich sehe ich es aber auch so, dass sich die Fans und Kritiker öfter mal an die eigenen Nase fassen sollten.
Sep 27th, 2006
Falk
Mal ungeachtet der anderen Einkommensquellen, an denen ja auch nicht ausschliesslich die Künstler verdienen, muss man sich trotzdem mal die Größenordnung anschauen. Selbst unter der Voraussetzung, dass das Label die Produktion und Promotion vorfinanziert. Aber reich wird man mit CD-Verkäufen heutzutage sicher nicht mehr. Klar hab ich da jetzt wirklich mal nur die Mech-Lizenzen betrachtet. Aber an welcher Stelle soll gespart werden? Außer Händler-Marge fällt mir da nicht mehr viel ein ;) Oder man nimmt als Band halt wirklich alles selbst in die Hand und die Labels orientieren sich zu Dienstleistern um, die sie zwar heutzutage in den meisten Fällen eh sind, sich aber noch wie früher dafür bezahlen lassen, dass sie weniger Risiko tragen ;)
Sep 27th, 2006
Greg
Die Händler-Marge könnte man ja komplett umgehen. Auch die Produktions und Vertriebskosten. Online-Shops sind da halt eine Lösung, wenn da das Preis-Leistungs-Verhältnis mal stimmen würde.
Wie sind eigentlich die Verteilungsverhältnisse bei Klingeltönen etc.? Bekommen die Künstler da mehr Geld (da ja kaum andere Kosten anfallen)?
Sep 27th, 2006
Falk
Die Produktionskosten eher weniger. Dazu zählen ja auch die Aufnahmen im Studio etc. Und das sollte durchaus bedacht werden, die Leute, die solche betreiben, leben ja auch davon (mehr oder minder gut halt). Bei den Vertriebskosten kann man durchaus ansetzen, da gabs auch die letzten Jahre etlichen Wirbel hierzulande grad bei den Indies. Verträge über Klingeltöne kenn ich nicht - kann ich also leider momentan nichts zu sagen, dürfte sich aber für den Künstler in ähnlichen %-Sätzen bewegen wie bei den Mech-Lizenzen. Ich halt die vom Prinzip für ganz und gar überflüssig.
Sep 27th, 2006
Falk
Nachtrag noch: Hierzulande wirds wohl noch etwas dauern, bis der Onlinebereich (damit sind dann auch CD-Verkäufe über Web gemeint) die selbe Bedeutung wie z.B. in Nordamerika haben wird. Dort geht ja mittlerweile schon ca. 80% an Musik über den virtuellen Ladentisch. Nur schau dir mal die Preise genau an - soviel Ersparnis bringt idR. ein Onlinekauf gar nicht. Und daran wirds wohl auch so ein klein wenig scheitern.
Sep 27th, 2006
Greg
Mit Produktionskosten meinte ich zB die Pressung der CD und den Druck des Booklets. Auf die Studiokosten wirkt es sich natürlich nicht aus.
Eben das sage ich ja auch. Dass das Preis-Leistungsverhältnis da einfach nicht stimmt.
Sep 27th, 2006