Die Originalankündigung zum Special ist mir leider entfallen (war ja auch schon Anfang 2004). Allerdings war uns die Ankündigung, das Pink Turns Blue nach 10 Jahren wieder ein Album veröffentlichen, einiges an Aufwand wert. Das Interview wurde von Torsch geführt und am 12.05.2004 gesendet. Und natürlich das Album “Re-Union” vorgestellt - aber lest selbst.
darkerradio: Die Gründung von Pink Turns Blue liegt ja nun schon eine ganze Weile zurück. Einige von unseren Hörern werden euch auch gar nicht kennen. Vielleicht erzählst du ja zunächst erst mal ein bisschen was darüber, wie PTB überhaupt entstanden ist.
Mic Jogwer: Pink Turns Blue entstand 1987 in Köln. Tom und ich trafen uns dort und haben Joy Division und einige andere Sounds aus England gehört, haben zusammen Songs geschrieben, die in die gleiche sentimentale schwarze Richtung gingen, und das war zu einer Zeit, als in Deutschland eigentlich Deutschpop und Neue Deutsche Welle im “funny”-Sinne angesagt waren. Wir waren immer sentimentaler, wir waren immer ein bißchen tiefgründiger, zurückgezogener, verliebter in Räume und Klänge und traurige Lieder, und dadurch entstanden halt Alben wie “If Two Worlds Kiss”, “Meta”, “Your Master Is Calling”, “Eremite”, “Michelle”, “Aerdt”, “Seven Years” mit Titeln, die sehr schnell für den Geist der Bewegung damals standen, die auch sehr schnell entstand, dort trafen wir auch damals Bands wie Das Ich, Deine Lakaien, Wolfsheim, alles alte Helden und Mitstreiter von der damaligen Szene. “Michelle” hat sich sicherlich heute als einer der Hymnen der Szene etabliert. Ja, das ist Pink Turns Blue.
darkerradio: Wer hat euch am meisten beeinflusst (gestern/heute) und wen glaubt ihr beeinflusst zu haben?
Mic Jogwer: Unsere Helden waren damals Velvet Underground, Nico, Joy Division, Jesus and Mary Chain, Sisters Of Mercy, The Cure und natürlich Kraftwerk, Die Einstürzenden Neubauten, Laibach, Nick Cave & the Bad Seeds. Daraus ergibt sich wohl auch die Kombination aus dunklem leidenschaftlichen Gesang mit romantisch-sentimentalen Klängen, expossiven Gitarren, aber auch elektronischen Elementen.
darkerradio: Welche Band gehört deiner Meinung nach verboten und welche hat Respekt verdient?
Mic Jogwer: Respekt immer noch für Depeche Mode, VNV Nation, Wolfsheim, also Bands, die es geschafft haben, Pop und Sentimentalität wundervoll zu verbinden. Ich mag Melodien, ich mag traurige Lieder, ich mag gute Grooves. Respekt auch für Deine Lakaien, die es geschafft haben, klassisch-romantische Welten mit Melodien zu verbinden. Respekt für Das Ich, die als erste den Mut hatten, die Gefühle der schwarzen Bewegung in deutsche Worte zu fassen.
darkerradio: Die nächste Frage, die sicherlich im Raum steht ist natürlich, was hat dich bzw. euch dazu bewogen, PTB wieder zusammenzuführen?
Mic Jogwer: Thomas Görnert ist schuld. Der Veranstalter des Wave Gotik Treffens rief mich eines Tages an und überredete mich, ein einmaliges Konzert, nötigenfalls mit Akustikgitarre, in Leipzig zu geben. Er lud mich ein, am Wave Gotik Treffen teilzunehmen, und ich war verzaubert von den Menschen, von dem Geist, von der Atmosphäre, und da war mir klar, daß die deutsche Gothic- und Waveszene meine Heimat ist, also die Heimat meiner Seele auf jeden Fall. Und dazu kam, daß ich von zu vielen gebeten wurde, also immer öfter gebeten wurde wieder zu singen, also Remixe darüber zu singen, Gastsänger zu sein, und ich glaube, das liegt daran, daß wohl meine Stimme und meine Songs für einen gewissen Geist stehen und für einen gewissen Seelenzustand stehen und der sehr stark mit der schwarzen Szene verknüpft ist. Wir haben dann auf dem Wave Gotik Treffen gespielt, und die Resonanz war überwältigend.
darkerradio: Die Fans freuen sich auf die Re-Union und auf den M’Era Gig… ihr euch auch oder habt ihr eher “Muffensausen”, weil nicht klar ist, wie die Fans reagieren werden?
Mic Jogwer: Ich glaube, die Fans werden begeistert sein, weil wir die Klassiker spielen, “Michelle”, “Your Master Is Calling”, “I Coldly Stare Out”, “If Two Worlds Kiss”, viele viele andere, und weil die Band so gut ist wie nie zuvor. Wir haben kein bißchen des alten Geistes verloren, wir haben kein bißchen der Intensität und der Atmosphäre verloren, und ich glaube das Beste ist, wir sind wirklich authentisch geblieben. Pink Turns Blue ist und bleibt Pink Turns Blue.
darkerradio: Auf dem M’Era werden Leute in der ersten Reihe stehen, die euch vielleicht noch nie gehört haben und eigentlich nur in der ersten Reihe stehen, weil sie auf die nachfolgende Band warten. 1. Glaubt ihr auch die begeistern zu können und 2. wollt ihr das überhaupt?
Mic Jogwer: Wir haben überhaupt kein Muffensausen vor den neuen und jungen Fans, weil wir das schwarze Publikum lieben, weil wir zu der Familie gehören, wir alles geben, aufrichtig sind, wir eine Alternative darstellen. Wir hatten die gleiche Situation bereits letztes Jahr in Leipzig, und die Achtzehnjährigen waren hin und weg. Wir stehen nicht in Konkurrenz mit irgendwie EBM-Göttern oder Mittelalterhelden, sondern sind vom Sound her eine abwechslungsreiche Alternative, und das haben uns auch viele viele bestätigt. Wir haben sehr gute Songs und wir haben einen überzeugenden Auftritt.
darkerradio: Nachdem ihr letztes Jahr auf dem WGT so erfolgreich aufgetreten seit, steht dieses Jahr das M’Era an. Gibt es neben dem Re-Union Konzert am 15.5. im Z-Fall in Bochum schon Pläne für eine Tour oder steht zunächst mal euer für Ende des Jahres angekündigtes Album im Vordergrund?
Mic Jogwer: Erstmal konzentrieren wir uns dann nach dem M´Era Luna auf das Album. Wir möchten sehr gerne eine Single rausbringen noch dieses Jahr. Wir machen also eigentlich außer Zwischenfall, Wave Gotik Treffen und M´Era Luna erstmal nichts.
darkerradio: Thema neues Album: was können wir als Hörer erwarten?
Mic Jogwer: Was kann der Hörer vom neuen Album erwarten? Auf jeden Fall leidenschaftliche Lieder, Geschichten aus einer schwarzen Seele, getragen von einer rufenden Stimme, getragen von hämmernden Beats, dazu verlorene Töne, zauberhafte Stimme, tragende Bässe, aber vor allem blutende Gitarren.
darkerradio: Und zum Schluss die obligatorischen Quick Questions - Quick Answers 1. Was möchtest du auf deinem Grabstein stehen haben?
Mic Jogwer: Auf meinem Grabstein hätte ich gerne stehen: “Ich bin noch da.”
darkerradio: 2. Deine größten Fehler
Mic Jogwer: Meine Fehler sind sicherlich Ungeduld und Egozentrik.
darkerradio: 3. Deine größten Vorzüge
Mic Jogwer: Meine größten Vorzüge? Ich glaube Authenzität, Liebe, Kraft.
darkerradio: 4. Stell dir vor dein Haus brennt. Du hast Zeit, 3 Dinge zu retten. Was wäre das?
Mic Jogwer: Wenn mein Haus brennt, würde ich sicherlich versuchen, einige Dinge mitzunehmen, auf jeden Fall meine neuen Songs, sicherlich meine Gitarren, sicherlich die Geschenke meiner Liebsten und Freunde.
darkerradio: 5. Das beste Album allerzeiten / das beste Konzeptalbum allerzeiten?
Mic Jogwer: Das beste Album aller Zeiten ist für mich sicherlich Joy Division - “Closer”, auch Velvet Underground - “Nico”, Jesus & Mary Chain - “Psycho Candy”. Das beste Konzeptalbum ist für mich Pink Floyd - “Wish you were here”.
darkerradio: 6. Geld oder Liebe? ;)
Mic Jogwer: Für die Liebe habe ich mich bereits entschieden.